Zu Gast in anderen Küchen

Nachbericht DGE-Sektion Niedersachsen
KiTa-Fachtagung am 13. Juni 2018 in Hannover

8. Fachtagung Tischlein deck dich „Esskulturen bewegt erleben – interkulturelle Konzepte in der KiTa“


Bevor ernährungsbildende Maßnahmen in der Kita an Eltern herangetragen werden, ist es wesentlich, dass die beteiligten Menschen vorher eine Beziehung zueinander aufgebaut haben. Das ist ein Ergebnis der niedersachsenweiten KiTa-Fachtagung, die dieses Jahr interkulturelle Kompetenzen im Fokus hatte.

Sowohl Verständnis füreinander und das Wissen, wie wir von unterschiedlichen Kulturen geprägt werden, sind für den Aufbau einer Beziehung entscheidend. In zwei mitreißenden Vorträgen gaben die beiden Referentinnen dazu viele konkrete Beispiele, die am Nachmittag in 6 abwechslungsreichen Foren in den Bereichen Ernährung und Bewegung mit den 124 Tagungsteilnehmern diskutiert wurden.

Dr. Jörg Baumgarte aus dem Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eröffnete die Tagung mit den treffenden Grußworten, dass interkulturelle Begegnungen alltäglich geworden sind und in der Ernährungsbildung positiv genutzt werden können. Das zeigt auch das Projekt „Zu Gast in anderen Küchen“ der DGE-Sektion Niedersachsen, das vom Ministerium gefördert wurde.

Als Gastgeber der Tagung in der Akademie des Sports betonte Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des LandesSportBundes Niedersachsen, dass wir weniger einen Wissensnotstand haben, sondern vielmehr ins Handeln kommen müssen. So engagiert sich der LSB für mehr Bewegung in Kindergärten mit dem Projekt „Bewegter Kindergarten in Niedersachsen“.

Auf sehr lebendige Weise erläuterte Gülcan Yoksulabacan-Üstüay, Diversity-Trainerin aus Bremen, dass traumatische Fluchterfahrungen eine Diskussion über den gewünschten Inhalt von Brotdosen nahezu unmöglich machen. Für die Eltern steht im Vordergrund, ihre Kinder für das entstandene Leid entschädigen und ihnen möglichst viel Gutes zu tun. Hier bedarf es Empathie und Fingerspitzengefühl, die Eltern mit den ernährungsrelevanten Informationen zu erreichen. Die pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten sich über die individuellen Beweggründe der Eltern für besondere Entscheidungen oder Verhaltensweisen informieren, um die Absicht des Handelns einordnen zu können. Gut in Plastik verpackte Lebensmittel werden beispielsweise als gesund empfunden, weil sie so auf der Flucht hygienisch einwandfrei blieben, ebenso verhält es sich mit Getränken in Dosen. Augenkontakt und Händeschütteln werden anders interpretiert, als wir es gewohnt sind und eine weibliche Führungskraft nicht immer sofort als Entscheidungsträger anerkannt.
Irritationen lösen oftmals auch die Auswahl an Lebensmitteln aus, die in die Kita mitgegeben werden. Alle Menschen essen, es gibt aber kulturelle Unterschiede, was wir wie essen und welche Geschmackspräferenzen wir haben. Das Gewohnte wird als sicher und gut empfunden, alles Neue stößt zunächst auf Ablehnung und löst Stress aus. Die zugewanderten Familien geben ihren Kindern gerne eine volle Brotdose mit, damit sie deren Inhalt mit den anderen Kindern teilen können. Dementsprechend bedienen sich die Kinder selbstverständlich an anderen Brotdosen, was in unserer Kultur aber als übergriffig und unangemessen empfunden werden kann.

Karsten Täger, LandesSportBund, brachte die Teilnehmer mit einer grandiosen Bewegungspause in den direkten Kontakt zueinander und sorgte für einige koordinative Herausforderungen.

Wie die kulturelle Prägung in den Herkunftsfamilien zukünftige Handlungen beeinflusst, griff Prof. Dr. Dörte Detert von der Hochschule Hannover auf. Schon immer existieren in Deutschland verschiedene Kulturen neben- und miteinander, die sich aufgrund verschiedener ökonomischer und familiärer Ausgangssituationen sowie dem Umfang formaler Bildung entwickelt haben (nach Heide Keller). Daher gibt es ganz unterschiedliche Bildungs- und Sozialisierungsziele, die Eltern für ihre Kinder haben und kein universelles kulturelles Modell. Die individuellen Verhaltensstrategien in der Familie können sich dabei stark unterscheiden zu dem, was in der Kita umgesetzt wird, was zu Konflikten führen kann. Am Beispiel Sport verdeutlichte sie, wie entscheidend es ist, was in den Familien vorgelebt wird: Ein Kind aus einer Sportlerfamilie wird sich ebenfalls stark dem Sport verbunden führen und gerne aktiv sein. „Die eigene Haltung zu Ernährung und Bewegung spielt in der Erziehung eine wesentliche Rolle", betonte Dörte Detert. Beeindruckt habe sie das neu gelernte Wort „Ambiguitätstoleranz“: Widersprüchlichkeiten, wie sie durch kulturelle Unterschiede entstehen können, können erkannt, akzeptiert und positiv empfunden werden.
Am Nachmittag waren die Teilnehmer in 6 Foren aktiv und diskutierten Wege, wie die gewonnenen Erkenntnisse in die eigene Arbeit und den eigenen Wirkungskreis zu integrieren.

In den Foren 1 und 2 der DGE-Sektion Niedersachsen wurden Ansätze für eine kultursensible Ernährungsbildung ebenso wie Speiseplanung erarbeitet. Einzelne Methoden aus der kultursensiblen Ernährungsbildung wurden ausprobiert, Chancen und Grenzen im KiTa-Alltag lebhaft diskutiert. Gemeinsames Ergebnis beider Foren war, dass es viele Gemeinsamkeiten im Querschnitt der verschiedenen Kulturen gibt und Unterschiede bereichernd sind, wenn die eigene kulturelle Identität im Kern nicht infrage gestellt wird. Das war auch das Ergebnis des Projekts „Zu Gast in anderen Küchen“, dessen Kurzfilm gezeigt wurde (Informationen zum Projekt und Download des Films unter: www.zugastinanderenkuechen.de).

Wie Sprachanlässe bewegt gestaltet werden können, zeigte das Forum 3 der Niedersächsischen Kinderturnstiftung. Anregungen zur sprachfördernden Bewegungsspielen für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren wurden vorgestellt und ausprobiert.

Im Forum 4 stellte Dr. Bettina Arasin Übungen vor, in denen Bewegung, Aufmerksamkeit und Impulssteuerung in gleichem Maß gelernt werden können. Das Programm ist für die Vorschularbeit konzipiert und besteht aus 12 aufeinander aufbauenden Einheiten.

Das Minisportabzeichen mit Hoppel und Bürste war im Forum 5 das Thema: Auf die Teilnehmer warteten viele Abenteuer und Bewegungshindernisse, die es auf dem Weg zum Geburtstag von Frau Eule zu überwinden galt.

„Kommt, wir erkunden die Milch!": Mit dieser Aufforderung motivierten die Landesvereinigung für Milchwirtschaft ihre Teilnehmer des Forums 6, Milch unter interkulturellen Aspekten zu erleben. Dazu gehörte die gemeinsame Zubereitung internationaler Milch-Gerichte, das von den Teilnehmer mit großer Zustimmung aufgenommen wurde.

Dörthe Hennemann, Nicole Eckelmann, Sonja Pöhls, DGE-Sektion Niedersachsen

Veranstalter:
DGE-Sektion Niedersachsen, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., Landesvereinigung für Milchwirtschaft e.V., LandesSportBund Niedersachsen e.V.

 

 

 

 

 

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